© monet / www.fotolia.de
KULTURpur - Wissen, wo was läuft!

Contemporary Fine Arts


Grolmanstraße 32/33
10623 Berlin
Tel.: 030 8877 7167
Homepage

Öffnungszeiten:

Di-Fr 10.00-18.00 Uhr
Sa 11.00-17.00 Uhr

vertretene Künstler

Katja Strunz

Katja Strunz: Einbruchstellen

28.10.2008 - 20.12.2008

Die in der Ausstellung gezeigten Skulpturen von Katja Strunz ragen mehr denn je in den Raum hinein, sind sichtbar raumgreifender geworden. Ihre ab Ende der neunziger Jahre zu einem stilistischen Erkennungsmerkmal gewordenen Faltarbeiten fügen sich in der Ausstellung „Einbruchstellen“ als Teile eines Ganzen ein. Häufig stört Strunz das Gleichgewicht der Ausrichtung dieser Faltarbeiten dadurch, dass sie einen der hölzernen oder metallenen Fächer in unmittelbarer Nähe zu weiteren Elementen unterschiedlicher Materialität platziert. Thematisieren diese Kompositionen vor allem eine Auffassung von Zeit, insbesondere von vergangener Zeit?
Sicherlich widersetzen sich die Arbeiten von Katja Strunz einer rein zukunftsorientierten Zeitebene. Schon auf Grund des verwendeten Materials sind die Arbeiten in verschiedenen Zeitdimensionen verstrickt. Bereits in einer früheren Arbeit (Brunnen, 2000) befasste sich Strunz mit einer treppenförmigen Skulptur, eine alte Metalltreppe, einem echten Berliner objet trouvé, welches die Künstlerin in einem verlassenen Schwimmbad fand und zur Skulptur erklärte. Eine ähnlich fragile und mitgenommene Kupfertreppe (Ohne Titel, 2008) empfängt den Besucher nun im vorderen Raum des ersten Stockwerks der Galerie: die sichtbar gealterte und mit einer grünlich oxidierten Spur überzogene Treppenskulptur scheint ins Nichts zu führen und bietet dem Betrachter weder Halt noch Ausweg. Eine an der benachbarten Wand hängende Papiercollage kommuniziert mit der Treppenskulptur. Der bei Strunz immer wieder auftauchende Begriff der „Stagnation“ scheint in dieser Collage mit den herabsteigenden Buchstaben den Gang ins Nichts rückwärts zu unterstreichen.
Die größte Skulptur der Ausstellung im oberen Stockwerk (Der müde Traum, 2008) besteht aus mehreren, weiß gestrichenen Holzelementen, deren Gesamtgröße einen unabhängigen, sogar begehbaren Raum entstehen lässt. Teile der Wand des Galerieraumes scheinen sich hier verselbständigt und aufgebäumt zu haben.
All den an der Wand verankerten Faltarbeiten, den Kuben, Collagen und Materialbildern haften die Spuren der Zeit, der Vergangenheit und einer gewollten Unvollkommenheit an. Die über zwei Stockwerke hinweg einfallenden Kuben der Arbeit Memory Wall von 2008 sind eingedellt, in Auflösung begriffen, sie laufen Gefahr, in die Zweidimensionalität zu zerfallen und auseinander zu driften. Fast scheinen sie zu der reinen abstrakten Form eines schwarzen Quadrats zurück zu wollen. Oder sind es, auf einer weiteren Ebene, Traumelemente, die in unsere Wirklichkeit und Gegenwart fallen?
Die Werke von Katja Strunz kann man als Einbruchstellen benennen, durch die dasjenige, was jenseits des Kunstwerks liegt, in unsere Sprache und in unser Zeitgefühl hineinzuragen vermag.

vertretene Künstler

Katja Strunz

KULTURpur empfehlen