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Galerie Andreas Binder


Knöbelstr. 27
80538 München
Tel.: 089 2193 9250
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Öffnungszeiten:

Di-Fr 12.00-17.00 Uhr
Sa 12.00-15.00 Uhr

vertretene Künstler

Philipp Lachenmann

Philipp Lachenmann: ECLIPSE ( I )

02.05.2008 - 09.06.2008
Mit der vierten Einzelausstellung in der Galerie Andreas Binder erweitert Philipp Lachenmann seine - erstmals 1998 in der Ausstellung Rethinking Representation thematisierte - Auseinandersetzung mit Codierung und Lesbarkeit von „Bildern“. Der Titel ECLIPSE ( I ) nimmt das Phänomen einer Eclipse – in seinem Bedeutungsspektrum als Verdeckung, Verfinsterung, Überlagerung - auf, um im metaphorischen Bezugssystem der Schichtung wahrnehmungspsychologische und soziopolitische Diskurse zu verhandeln. Die eingesetzten Medien Photographie, Skulptur, Schrift, Sprache, Sound, Licht und Film funktionieren dabei als Geflecht wechselseitiger Wirkpotentiale. Die Ausstellung gliedert sich in drei Bereiche, die einen paradigmatischen Einblick in die Werkentwicklung der letzten Jahre vermitteln. Im ersten Raum befinden sich zwei Skulpturen der Serie ECLIPSE (Color Movies). Aus hinterleuchteten konvexen Edelstahlscheiben sind Worte ausgeschnitten, die sich auf die Schriften Thomas Manns bzw. des homosexuellen irischen Menschenrechtsaktivisten Roger Casement beziehen. In der Verankerung zwischen kunsthistorischem Interieur (vgl. Van Eycks Arnolfini-Hochzeit) und dem fetischisierenden Phänomen der Verdeckung (und damit des Begehrens) nehmen die Spiegel-Skulpturen die Funktion eines offenen Memorials ein, welches Sprache als Fraktal und Ambiguität als Realitätsbeschreibung zulässt. Im zweiten Raum hängen photographische Arbeiten, die den Topos „Landschaft“ im Feld von Präsenz und Absenz thematisieren. Das Diptychon WTC View I & II zeigt in zwei 1997 aufgenommenen Photos den Blick von je einem Tower des World Trade Centers Richtung Süden nach Staten Island. Hier kontrastiert die subjektive (Aus-)Sicht mit dem gleichsam retrospektiv sich ankündigenden Schicksal der Türme, der in den Blick eingeschriebenen zukünftigen Katastrophe. Gegenüber hängt ein Motiv aus der 2003 entstandenen Photo-Serie San Andreas Fault Project (SAF) . In Zusammenarbeit mit Geologen wurde eine 18x24-Grossformatkamera entlang der unterirdisch verlaufenden Kontinental-Trennung positioniert. Das Bild-Motiv bleibt für Fachunkundige unsichtbar, das eigentliche Bild komplettiert sich erst im Kopf des Betrachters. Die Phantasie trifft subversiv auf die Ästhetik der Naturidylle, das mögliche desaströse Geschehen infiltriert die landschaftliche Schönheit. Den dritten Bereich bilden die photographische Arbeit Black Study (Surfer) mit der Film-Installation SHU (Blue Hour Lullaby) sowie zwei großformatigen „SHU-Still-Photos“. Sind Lachenmanns Surfer-Photographien Grey Studies eine Auseinandersetzung mit dem Bildprogramm der Romantik – Black Study (Surfer) als dessen Kulmination bzw. Invertierung -, so führt die Beschäftigung mit dem Kollektiven Gedächtnis in der Film-Installation SHU (Blue Hour Lullaby) zu den Funktionsmechanismen von Disney & Hollywood. 2004 gefilmt, zeigt SHU ein isoliert stehendes Hochsicherheitsgefängnis in der kalifornischen Mojave-Wüste zur Zeit der Blauen Stunde. Während im Gefängnis langsam die Scheinwerfer angehen, erscheinen parallel dazu im Abendhimmel immer mehr Lichter (anfliegender Flugzeuge). In Lachenmanns künstlerischer Praxis verbindet sich das Ästhetische häufig mit politischen Inhalten, ohne jedoch autoritär singuläre Interpretationen zu evozieren. Lachenmann zeigt Repräsentationsstrukturen in ihren scheinbar gebundenen Bedeutungsmonopolen, legt ihre Strategien bloß, macht ihre Wirkung transparent, leistet „Übersetzungsarbeit“ im Blick auf Prägungen. Das Bedienen von Prägungen ist dann legitim, wenn es zugleich ihre Codierung und Wirkungsweisen zugänglich macht. In diesem Sinne funktionieren seine Arbeiten „undercover“, sie bieten überaus ästhetische Lösungen, in denen eingebettet soziopolitische Fragestellungen Eingang in den betrachterischen Raum finden. Dabei analysiert seine Kunst präzise jene visuellen Verführungen, die zu inneren Bildern und Fetischen geronnen wirkungsmächtig unseren Alltag formen. Hollywoods „universalistisch“ ausgerichtete Sprache kann hier ebenso Thema werden wie dekontextualisierte Aussagen literarischer Persönlichkeiten. Auch im Rekurs auf historische Darstellungsprogramme wird das „freie“ visuelle Territorium als Vermessenes gekennzeichnet und zugleich auf seine Bruchstellen und Abgründe verwiesen. Lachenmanns Arbeiten agieren und argumentieren auf verschiedenen semiotischen Ebenen, sodass sie sich variabel lesen lassen, ihre Offenheit bewahren und zur Dekonstruktion hegemonialer Deutungshierarchien führen. Philipp Lachenmann, 1963 geboren, wechselte 1998 vom Kunsthistoriker zur künstlerischen Praxis. Seit 2000 arbeitet Lachenmann in Köln, München und Los Angeles.

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