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Burg Beeskow


Frankfurter Str. 23
15848 Beeskow
Tel.: 03366 353 433
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Öffnungszeiten:

Apr-Sep: Di-So 9.00-19.00 Uhr
Okt-Mär: Di-So 11.00-17.00 Uhr

Ausstellung Maler des Krag Arsenalu 1955

25.01.2014 - 21.04.2014

„Krąg Arsenału 1955“ – dem Beeskower Publikum ist der Name dieses polnischen Künstlerkreises bereits vertraut. 2010 stellte das Muzeum Lubuskie im. Jana Dekerta aus Gorzów Wlkp. Porträts aus seiner, diesen Künstlern gewidmeten Sammlung erstmals auch in Deutschland vor. Benannt ist der Bestand nach der „Gesamtpolnischen Ausstellung der jungen Bildenden Kunst“, die 1955 aus Anlass der III. Weltfestspiele der Jugend und Studenten im Warschauer Arsenal ausgerichtet wurde. Zu den jungen Malern, denen diese Exposition Ausgangspunkt für neue Ideen war, zählte damals auch Krystyna Brzechwa, eine Künstlerin, die den Surrealismus für sich entdeckte und ihm ein Leben lang verbunden blieb. In der Ausstellung „Der Surrealismus in der Malerei von Krystyna Brzechwa“ zeichnete das Muzeum Lubuskie im vergangenen Jahr die künstlerische Entwicklung dieser Vertreterin des Krąg Arsenału 1955 nach. Die damals präsentierten rund 40 Gemälde werden ab dem 25. Januar 2014 auf Burg Beeskow zu sehen sein.
Überraschenderweise beginnt diese umfangreiche Werkschau mit Bildern aus dem Jahre 1947. Krystyna Brzechwa, 1928 in Warschau geboren, ist damals noch Schülerin des Lyzeums für Bildende Künste in Warschau. Später studiert sie Kunst bei Prof. Eugeniusz Eibisch an der Kunstakademie ihrer Heimatstadt, wo sie 1955 ihr Diplom erhält. Ihre Beteiligung an der Ausstellung im Warschauer Arsenal, die 1956 auch in Berlin und Leipzig gezeigt wird, sowie eine erste Personalausstellung 1957 im polnischen Schriftstellerverband stehen am Beginn ihrer Laufbahn. Damals ahnt sie wohl nicht, dass man sie später vielfach auszeichnen wird – so mit dem Preis des Ministers für Kultur und Kunst (1970), dem Preis des Verdienten Kulturaktivisten (1978), dem Goldenen Abzeichen des ZPAP, des Verbandes der Polnischen Bildenden Künstler (1980), und mit einem Spezialpreis des Ministers für Kultur und Nationalerbe (2006).
Nach ihrer Ausbildung und auf der Suche nach einem eigenen Stil wendet sich Krystyna Brzechwa zunächst dem Tachismus zu, einer Ausdrucksform der abstrakten Malerei, die aus dem Unbewussten heraus spontan entsteht. Um das tief Empfundene bildhafter darzustellen, entwickelt sie jedoch bald ein expressiveres Formen- und Farbenspektrum. Das Surrealistische, das wörtlich „über dem Realismus“ stehende Traumhafte und Unbewusste, Phantastische und Absurde wird zur Quelle ihrer Kunst. So erschafft sie schemenhafte Figuren, Aliens gleich und grotesk, und bevölkert ihre Bilder mit Waldgöttern, Engeln und Teufeln, als wären sie ein natürlicher Teil unserer Welt und nur durch den Rahmen des Bildes gebannt. Zugleich kommentiert Krystyna Brzechwa ihre gesellschaftliche Umwelt: Was in den 1980er Jahren entsteht, ist bedrückend und kommt einer verschlüsselten Botschaft gleich. Die starke symbolhafte Sprache dieser Bilder wird später einer anrührenden, doch nicht weniger aufstörenden Melancholie weichen: Nun ist es der magische Vollmond, mit dem Krystyna Brzechwa die Nacht erleuchtet und der sich gleichsam in den großen traurigen Augen ihrer Protagonisten spiegelt.
Vieles spricht dafür, gerade in Beeskow, dem Sammlungsort von Kunst aus der DDR, den Blick auf die bildende Kunst des Nachbarlandes Polen zu weiten. Was dort im Zuge des politischen „Tauwetters“ der 1950er Jahre entstand, unterscheidet sich von ostdeutschen Erfahrungen, die deutlich stärker vom sozialistischen Realismus geprägt waren. Für polnische Künstler riss dagegen der Kontakt zu den zeitgenössischen Kunstströmungen Westeuropas und Nordamerikas nie ab.

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