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Bernd Zimmer: Zweite Natur

16.05.2012 - 08.07.2012
Seit vielen Jahren reflektieren Bernd Zimmers Gemälde Natur im Vorgang des Malens. Als ein künstlerisches Nachdenken über das, was Natur im umfassenden Sinn ausmacht ist es mithin der Akt des Malens selbst, der sich als "Zweite Natur" entfaltet.
Analog zum Wachstum der ("ersten"), physischen, tatsächlichen Natur vollzieht sich das Wachstum des Bildes im Malvorgang als Prozess, oder kürzer: Das Bild ist nicht nur ein je autonomes Kunstwerk, es ist tritt zugleich als ein Spiegel des malerischen Denkens seines Autors in Erscheinung.
In seiner aktuellen, Kristallwelt betitelte Werkgruppe spiegelt sich dieser Zusammenhang exemplarisch. Es sind kraftvolle, farb- und lichtintensive Bilder, Einblicke in Waldlichtungen, in üppig dichte Vegetationen, gemalte Urwälder, in denen sich der Betrachter selbst ganz nah und unmittelbar zu befinden und zu bewegen scheint. Die Farbe explodiert förmlich auf der Bildfläche, direkt, spontan und impulsiv, um dennoch mit ungeheurer malerischer Sicherheit Form und Struktur anzunehmen. Tosende Wasserfälle ergießen sich über ein sattgrünes Dickicht aus großer Höhe, soviel an gegenständlicher Welt lässt das Bild immerhin zu.
Dieses malerisch illusionierte Ergießen entspricht dem tatsächlichen Farbfluss auf dem Boden, denn dort, auf der liegenden Leinwand, vollzieht sich Bernd Zimmers Malerei. Er selbst durchwandert – schon aufgrund der Bildformate ist dies nicht anders möglich – seine Bildoberflächen, läuft über die Leinwände, Fußspuren bleiben dort als Fährten sichtbar. Das Ausschütten und Auftragen der Farbe, der Farbfluss am Boden stellen aber nicht nur stilistische Merkmale dar. Die unmittelbare ganz physische Verbindung des Malers mit seinem Bild lässt ihn tatsächlich in dieses eintreten, holt quasi die Landschaft, die sich erst nach und nach malerisch herauszuschälen beginnt, ganz zu sich heran. Eine verblüffende Nähe zum Bildgegenstand vermittelt dem Betrachter nie das Gefühl, er stünde "vor", sondern jederzeit selbst im Innern des gemalten Sujets. Grüne Wände aus dichtem Pflanzenbewuchs, Feuchtgebiete, das Licht reflektierende Wasserspiegelungen – alles dies bedeutet Naturdarstellung und Naturanschauung nicht nur in einem abbildenden Sinn.
Die Malerei Bernd Zimmers changiert ständig zwischen gegenständlicher Darstellung und deren Auflösung, zwischen der Schilderung real möglich erscheinender Orte und deren atmosphärischen Qualitäten. Malerische Formulierungen dieser Qualitäten bewegen sich im Bild immer auch an der Kante zur Abstraktion. Die Allgegenwärtigkeit des Kosmos findet sich in den aktuellen Bildern durchaus auch mitten im Wald. Farbspritzer, die hier wie Sternschnuppen auf der Bildoberfläche aufscheinen, transzendieren die gemalten Waldstücke, machen sie zu magischen, geheimnisvollen und doch immer zum Betrachter hin offenen Arealen.
Es ist genau jene Zwischenwelt zwischen vermeintlichem Wiedererkennen und darüber gelegtem malerischen Naturzustand, die kennzeichnend für das Werk Bernd Zimmers im Ganzen ist, und die seit den Anfängen in den 1970er Jahren bis heute nichts an Vitalität und Frische eingebüßt hat.

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