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Kunsthalle Fridericianum


Friedrichsplatz 18
34117 Kassel
Tel.: 0561 707 270
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Öffnungszeiten:

Di-So 11.00-18.00 Uhr
Do 11.00-20.00 Uhr

Paul Sharits: Eine Retrospektive

23.11.2014 - 22.02.2015

“I wish to abandon imitation and illusion and enter directly into the higher drama of: celluloid, two-dimensional strips; individual rectangular frames; the nature of sprockets and emulsion; projector operations; the three-dimensional light beam; environmental illumination; the two-dimensional reflective screen surface; the retinal screen, optic nerve and individual psycho-physical subjectivities of consciousness.”
Paul Sharits, 1967
Aus exakt komponierten 16-mm-Filmen schuf der US-amerikanische Experimentalfilmer Paul Sharits (1943–1993) einzigartige Filmräume, die in ihrer Komplexität und Dichte einmalig in der Kunstgeschichte sind. Seine Installationen aus Mehrfachprojektionen (locational film pieces) lassen Film nicht nur zu einer visuellen, sondern auch zu einer körperlichen Erfahrung werden. Akribisch arrangierte Farbkompositionen (Shutter Interface, 1975), irreführende Film-im-Film-Darstellungen (3rd Degree, 1982) sowie von drastischen Motiven durchschossene Abstraktionen (Epileptic Seizure Comparison, 1976) bilden die Grundlage seines Nachdenkens über die Funktionen und Bedingungen des Mediums Film. Sharits vereint in seinem Werk eine die Sinne durchdringende Intensität gekonnt mit Reflexionen über die filmische Illusion und die Mechanismen des Sehens.
Ganz auf seine Grundbestandteile reduziert, lässt Sharits in seinen Frozen Film Frames den Film schwebend zur Skulptur gefrieren: Zwischen hängende Plexiglasscheiben sind dicht an dicht liegende Filmstreifen montiert, deren Abfolge sowohl vertikal als auch horizontal betrachtet werden kann. Sharits führt den Film auf seine Grundbestandteile Zelluloid und Licht zurück und entzieht ihm gleichsam seine Grundbedingungen Zeit und Bewegung.
Analog zu seinen filmischen Arbeiten setzt er sich auch in zahlreichen grafischen Partituren intensiv mit analytischen wie rhythmischen Farbkompositionen auseinander. Mit seinen aus Millimeterpapier und Filzstift gefertigten Diptychen und Serien stellt er den Filmen Studien beiseite und erschafft zugleich eine ganz eigene Notation des Films.
Anfang der 1980er Jahre wendet sich Sharits in seinem künstlerischen Schaffen wieder verstärkt seinen Ursprüngen in der Malerei zu. Auch hier stehen für ihn die Funktion und die Bedingungen des Mediums im Vordergrund und abstrakte Kompositionen finden sich im Wechsel mit drastischen gegenständlichen Darstellungen.
Die Retrospektive von Paul Sharits vereint erstmals vier Filmräume (locational film pieces) in einer Ausstellung. Neben einfachen Filmprojektionen, diversen Frozen Film Frames und zahlreichen Zeichnungen werden auch das malerische Spätwerk sowie viele noch nie präsentierte Arbeiten gezeigt. Das Fridericianum widmet Paul Sharits die weltweit erste umfassende Retrospektive.

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