Foto: Münchner Stadtmuseum
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Münchner Stadtmuseum mit den Sammlungen Fotografie, Puppentheater, Schaustellerei, Musik und der Sammlung Mode/Textilien

Foto: Münchner Stadtmuseum
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St.-Jakobs-Platz 1
80331 München
Tel.: 089 23322370
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Öffnungszeiten:

Di-So 10.00-18.00 Uhr

Ralf Peters - Open Home

30.04.2010 - 27.06.2010
Ralf Peters untersucht in seinen Arbeiten die Bildhaftigkeit der Fotografie und die Bildhaltigkeit unserer Wahrnehmung. Seine Fotoserien von Gebrauchs- und Vergnügungsarchitekturen, von Tankstellen, Flughäfen und Ferienanlagen, sind niemals nur bloße Wiedergabe ihrer Objekte. Tatsächlich handelt es sich um kalkulierte Ästhetisierungen, die der konventionellen Erwartung an einen fotografischen Realismus widersprechen. Die Ausstellung präsentiert drei der jüngsten Serien des Künstlers – Sar, Seoul (beide 2009) und Salta (2008) – die Ausblicke aus den Empfangshallen internationaler Flughäfen zeigen. Für Millionen von Touristen ist der Flughafen jede Saison aufs Neue das Tor zur Welt, wenn sie in ihren wohlverdienten Jahresurlaub aufbrechen. Reisen, egal wie pauschal und normiert der Urlaub auch sein mag, gilt nach wie vor als primäre Lebenserfahrung. Dabei ist gerade unsere Vorstellung eines gelungenen Urlaubs hochgradig konditioniert – durch Bilder aus Prospekten, Fernsehserien, Abenteuerfilmen etc. Was wir auf Reisen wahrnehmen, orientiert sich an den Bildern in unserem Kopf – die Wiederkehr der immergleichen Ansichten von Sonnenuntergängen, Sandstränden, Steilküsten und Palmen in zahllosen Urlaubsalben ist anschauliches Zeugnis davon. Schon das Fernweh, Motivation jeder Urlaubsreise, ist eine aus Bildern gespeiste Projektion, eine Idealisierung der Realität. Mit dem in allen drei Serien dominierenden Motiv des Fensters greift Ralf Peters einen bekannten Topos der Kunstgeschichte auf. Das Bild als Fenster ist eine seit der Renaissance gängige Metapher, die allerdings mit dem Aufkommen der Fotografie im 19. Jahrhundert eine neue Qualität erhält: der Ausblick, den die Tafelmalerei bot, wurde noch als Blick in eine künstlerisch gestaltete Welt, in eine von der Wirklichkeit unterschiedene also, verstanden; die Fotografie, ausgestattet mit der Autorität des Authentischen, galt seit ihren Anfängen als direktes Fenster zur Realität. Ihre Medialität wurde dabei tendenziell übergangen, das Medium erschien transparent – ein Kurzschluss, der in den Fotografien von Ralf Peters problematisch wird. Ralf Peters, geboren 1960 in Lüneburg, hat an den Hochschulen in Braunschweig, Nîmes und München studiert. Nach seinem Studium beschäftigte er sich zunächst vor allem mit plastischen Arbeiten, bevor er sich Mitte der 1990er Jahre verstärkt der Fotografie zugewandt hat. Zur Ausstellung ist unter dem Titel Until Today im Hatje Cantz Verlag ein Katalog mit Texten von Klaus Honnef, Renate Puvogel, Raimar Stange und Heinz Kattner erschienen, der einen Überblick zum fotografischen Werk des Künstlers seit 1995 bietet.

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