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MUWA Museum der Wahrnehmung


Friedrichgasse 41
8010 Graz
Tel.: 0316 811 599
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Öffnungszeiten:

Mi-Mo
14.00-18.00 Uhr

Harald Mairböck: Foto-Arbeiten

07.05.2016 - 02.09.2016

Es gab diesen Zeitpunkt in der Geschichte, als einige Menschen dachten, die Erde sei flach. Vielleicht ist das einfach eine Metapher zur Beschreibung des eingeschränkten menschlichen Verstandes von dürftiger Phantasie, ein Verstand, der einzig imstande ist, die Oberfläche von Dingen zu lesen. Fotografien sind Zeugnisse zweidimensionaler Darstellungen von Objekten aus der dreidimensionalen Welt. Daher können wir fotografierte Bilder wahrnehmen, eingefangen von einer Kamera, die eine Projektion von Raum auf einer ebenen Fläche herstellt. Ein Raum oder eine Schachtel mit einem kleinen Loch, durch das Licht dringt und auf die gegenüberliegende Seite projiziert wird, hat viele Ähnlichkeiten mit dem menschlichen Auge. Ungeachtet äußerlicher Unterschiede basiert die Optik auf den gleichen Prinzipien. Das menschliche Auge ist mit dem Gehirn verbunden und die Wahrnehmung eines Bildes ist deshalb durch Erinnerungen und andere Sinne unseres Körpers determiniert. Ein Bild aus der Camera Obscura selbst ist in der Tat frei von menschlicher Subjektivität und galt daher für AnhängerInnen des Rationalismus vergangener Jahrhunderte als objektives Bild der Welt. Spätere Theorien haben allerdings bewiesen, dass die Kamera auch durch ihre eigene Subjektivität prädisponiert ist.
Das berühmte Zitat von Gertrude Stein "a rose is a rose is a rose" drückt die Vielzahl an Bedeutungsebenen hinter einem Zeichen oder Bild aus. Eine ähnliche Frage zur Bestimmung von Dingen veranlassten Harald Mairböck, der Ausstellung den Titel "a picture is a camera is a picture" zu geben. Seine Auswahl an Arbeiten basiert auf der Auseinandersetzung mit dem Original und der direkten Beziehung zwischen Licht und Oberfläche. Der Künstler benutzt dabei grundlegende technologische Mittel: Licht, Fotopapier und Entwicklerchemikalien. Das Volumen eines Bildes und der Abbildungsraum sind wichtige Merkmale und in volume.print lassen aufgetürmte Papierschichten ihre Materialität sichtbar werden. In cubes und tubes wird der leere Raum durch das Bauen einer Lochkamera aus fotografischem Papier ausgetestet. Das Loch wird jedoch nicht geöffnet, um das Abbild von Objekten von außerhalb einzufangen sondern ausschließlich reines Licht. In der extremsten Form, so bei capillary.print, wird der Raum zwischen Abbildungsebene und Objektiv minimal, definiert als Brennweite Null. Das endgültige Bild ist während des gesamten Prozesses abhängig vom Zufall und nimmt eine abstrakte Form an. Durch die partielle Unkontrollierbarkeit und weil sie keine Kamera oder irgendwelche physisch darstellbaren Objekte benötigen, zeigen diese Bilder die verblüffendste Form von Fotografie.
Experimentieren mit grundlegendem Material: einfache Papierkameras bauen, Foto-Papier-Blätter auftürmen und anschließend Löcher und Schlitze hineinschneiden, diese dem ungeschützten Licht aussetzen, mit Flüssigkeiten spielen - all das zeigt die Überlegung des Künstlers zur Fotografie als Medium und sein Interesse, über die konventionellen Blickfelder hinauszusehen.
Vasja Nagy

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