© andreas130 / www.fotolia.de
KULTURpur - Wissen, wo was läuft!

Oberhessisches Museum - Altes Schloss, Wallenfels


Brandplatz 2
35390 Gießen
Tel.: 0641 960 973 0
Homepage

Öffnungszeiten:

Di-So 10.00-16.00 Uhr

Franz Frank

25.11.2011 - 15.01.2012
Die Begriffe "Expressiver Realismus" und "Verschollene Generation" stellen den Versuch dar, ein Phänomen der Kunstgeschichte zu umschreiben, welches lange Zeit vernachlässigt wurde. Sie gelten Künstlern, die in den Wirren der europäischen Geschichte im zweiten Viertel des 20. Jahrhunderts gewissermaßen untergegangen waren und für das Kunstleben der Nachkriegszeit als "verschollen" gelten mussten. Die Künstler dieser Generation wurden nicht gerade vom Schicksal begünstigt. Aufgrund der Zeitereignisse (Erster und Zweiter Weltkrieg, Inflation, Hungerzeiten) hatten sie trotz erster Erfolge keine guten Entfaltungsmöglichkeiten. Die Maler des Expressiven Realismus waren eine Generation jünger als jene bahnbrechenden Künstler wie Wassily Kandinsky oder Henri Matisse, die vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges neue Wege in Richtung Abstraktion gingen und denen schon früh internationale Aufmerksamkeit zuteil wurde. Die Jüngeren versuchten, sich von diesen Künstlern abzugrenzen und ihren eigenen Weg zu gehen. Franz Frank lebte seit 1931 bis zu seinem Tode 1986 in Hessen. Er ist in Gießen wenig bekannt. Das soll sich nun ändern. Zu entdecken sind insbesondere Landschaften, in denen das Einfangen des Augenblicks, das Spiel von Licht und Schatten und ungewöhnliche Perspektiven faszinieren sowie ausdrucksstarke Porträts, spontane, offene Literaturillustrationen und Reiseimpressionen. Hier lassen insbesondere die in Tunesien entstandenen Aquarelle Erinnerungen an August Macke und die berühmte Tunisreise aufkommen. Doch Frank imitiert den zehn Jahre älteren Expressionisten nicht, findet vielmehr seine eigene Ausdrucksweise. Vor allem aber kann er als Maler einfühlsamer Kinderporträts entdeckt werden. Werke von Max Slevogt und Lovis Corinth werden für den jungen Künstler wegweisend. Nach Beendigung des Kunststudiums zieht Frank in den Arbeitervorort Löbtau bei Dresden. Hier wird Otto Dix auf das junge, viel versprechende Talent aufmerksam. Zunächst entstehen vor allem Bilder von Arbeitern, Arbeitslosen und Proletarierkindern. Ungünstige äußere Bedingungen, die zweimalige Kriegsteilnahme und die schwere Verwundung im Zweiten Weltkrieg haben die Entfaltungsmöglichkeiten des Künstlers gebremst, sein Schaffen jedoch keineswegs zum Erliegen gebracht. Gerade in politisch schwierigen Zeiten entstanden zahlreiche ambitionierte Großformate, Reiseskizzen, Landschaftsgemälde und Lithographie-Zyklen. Dabei gelang es ihm, seine Farbkultur stetig weiterzuentwickeln, um sein Empfinden für feinste Farbnuancen zu sensibilisieren und sich so seinen Vorstellungen von einer optimalen harmonischen Gesamtkomposition anzunähern. Erst Ende des 20. Jahrhunderts wurde zunehmend deutlich, dass Frank zu den wichtigsten hessischen Künstlern der Zwischenkriegszeit und der frühen Bundesrepublik gezählt werden muss.

KULTURpur empfehlen